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Paris: „Charlie Hebdo“

Die Welt ist erschüttert: Der Angriff auf das französische Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ ist nicht nur ein Anschlag auf die Menschen in Frankreich, sondern auch einer auf die Meinungsfreiheit. Doch was ist dieses „Charlie Hebdo“ überhaupt und wieso konnte es überhaupt zu so einem Anschlag kommen? Eine Zeitreise:

Gründung 1970: Das erste Mal

Es ist das Jahr 1970 als „Charlie Hebdo“ das erste Mal in den Kiosken Frankreichs im Verkauf ist. Der Name „Charlie“ stammt von der Comicfigur „Charlie Brown“ und verweist auf die Ursprünge der Zeitung, welche im Bereich der Comic-Magazine liegt. Der zweite Teil des Namens, „Hebdo“, kommt aus dem französischen (hebdomadaire) und bedeutet Wochenzeitung.

11 Jahre produzierte „Charlie Hebdo“, welche in dieser Zeit mit Übereinstimmung ihres Selbstverständnisses dem politisch linken Spektrum zugeordnet wurden, mit einer Auflage von 60.000 Zeitschriften wöchentlich. Von 1981 bis 1991 wurde es still um die Satirezeitschrift. 1992 wurde „Charlie Hebdo“, nach elf-jähriger Abstinenz wiederbelebt und ist seither einer der erfolgreichsten in unserem Nachbarland.

Der Brandanschlag 2011

Der Anschlag am 7. Januar 2015 war nicht der Erste. Am 2. November 2011 wurde ein Brandanschlag auf die damals neu bezogene Redaktion am Boulevard Davout verübt. Bereits damals stand der Anschlag im Zusammenhang mit einer Mohammed-Karikatur auf der Titelseite des Magazins. Auch die Webseite des Satire-Magazins wurde Opfer einer Attacke.

Für mehrere Stunden stand, statt der üblichen Internetseite, ein Bild einer Moschee in Saudi-Arabien (Mekka) als Titelbild auf der Seite. Darunter die Sätze in Englisch: „Unter dem Deckmantel der Pressefreiheit greift ihr mit euren gehässigen Karikaturen den großen Propheten des Islam an. Der Fluch Gottes soll euch treffen. Wir werden in der virtuellen Welt euer Fluch sein. Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet.“

Eine türkische Hackergruppe namens „Akıncılar“ bekannte sich damals zu dem Hackerangriff, distanzierte sich allerdings deutlich von dem Brandanschlag. Bei dem Brandanschlag gab es keinen Personenschaden, doch der entstandene Sach-Schaden war trotz allem beträchtlich. Sämtliches Equipment sowie das Layout- und Computer System wurden zerstört.

Die französische Zeitung „Libération“ unterstützte die Redakteure, Karikaturisten und Layouter von „Charlie Hebdo“ und stellte ihnen Redaktionsräume zur Verfügung, widmeten ihnen sogar eine Sonderausgabe.

Weitere Mohammed-Karikaturen

Es ist der 19. September 2012: Der arabische Frühling ist im vollen Gange und „Charlie Hebdo“ kommt mit einem neuen Cover auf den Markt. Darauf: Wieder eine Mohammed-Karikatur. Wütende Proteste waren die Folge. Die Redakteure beriefen sich auf die Pressefreiheit. Um einen erneuten Anschlag zu verhindern, bezogen Polizei-Einheiten vor den Redaktionsräumen Stellung. Die französische Regierung kritisierte „Charlie Hebdo“ bezüglich des Zeitpunktes der Veröffentlichung. Die Opposition wollte sich von den Drohungen aber nicht einschüchtern lassen.

Paris: Der Kaltblütige Anschlag

Es ist ruhig in der Rue Nicolas-Appert im Herzen von Paris. Doch dann stürmen zwei maskierte Männer in die Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“, töten zwölf Menschen. Darunter auch der bekannte Herausgeber und Zeichner Stéphane Charbonnier. 20 weitere Personen wurden verletzt, einige davon schwer. Während ihrer Tat riefen die Attentäter: „Nous avons vengé le prophète!“ Zu Deutsch: „Wir haben den Propheten gerächt“. Einen Tag später erschießt ein polizeibekannter Dschihadist, namens Amedy Coulibaly, eine Polizistin und verletzt einen Straßenreiniger schwer.

Am 9. Januar verschanzten sich die beiden Attentäter in einer Druckerei nord-östlich von Paris. Zeitgleich nahm Amedy Coulibaly in einem jüdischen Supermarkt mehrere Geiseln und forderte freies Geleit für die beiden Attentäter von „Charlie Hebdo“. Gegenüber dem Sender BFM TV bestätigte Coulibaly, dass er sich mit den „Charlie Hebdo“-Attentätern abgesprochen habe. Vier Geiseln starben, alle anderen blieben unverletzt.

Noch am selben Tag kam es auf der ganzen Welt zu Solidaritätskundgebungen. In Paris kamen rund 35.000 Menschen zusammen. Bei der „offiziellen Kundgebung“ am 9. Januar  sogar 700.000.

Mohammed-Karikatur: Neue Ausgabe von „Charlie Hebdo“

Bereits für den 14. Januar kündigte man von Seiten „Charlie Hebdos“ eine neue Ausgabe an. Unter dem Titel: Le Journal des Survivants („Das Journal der Überlebenden“). Wieder war es die Zeitung „Libération“, welche ihre Redaktionsräume zur Verfügung stellte. Am 13. Januar wurde das Cover der Ausgabe vorgestellt, welches um die Welt ging. Es zeigte wieder eine Mohammed-Karikatur mit einen Schild in der Hand. „Je Suis Charlie“ steht darauf. Der Slogan welcher die letzten Tage maßgeblich geprägt hatte.

Die neue Ausgabe kam nur einen Tag später mit einer Auflage von drei Millionen, wobei die Erstauslieferung von einer Million bereits nach wenigen Stunden vergriffen war. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde die Auflage anschließend auf fünf, nun sogar auf sieben Millionen aufgestockt. Zudem gibt es die Satire-Zeitung nun als App. In einigen muslimischen Ländern gab es bereits neue Proteste aufgrund der Karikatur. Die Türkische-Regierung sperrte die Webseite von „Charlie Hebdo“. Einige westliche Medien entschieden sich ebenfalls das Cover der aktuellen Ausgabe nicht zu veröffentlichen.

Auch in Deutschland bildeten sich am Samstagmorgen lange Schlangen vor den Bahnhöfen und Flughäfen. In Hamburg war die Schlange rund 40 Meter lang, über 100 Personen wollten eine Ausgabe. Lediglich sieben wurden allerdings geliefert. Viele hoffen nun auf Nachschub. Dieser lässt aktuell aber noch auf sich warten.

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